Kultur & Geschichte
Die Stadtanlage von Radstadt, dem Hauptort des Ennspongaus im Land Salzburg, liegt 856 m über dem Meeresspiegel auf einer nach drei Seiten abfallenden Terrasse. Mit der bairischen Besiedlung im 7. Jahrhundert und der anschließenden Christianisierung beginnt die eigentliche Geschichte Radstadt's. Am 27. Juli 1289 verlieh der Erzbischof von Hohenegg eine Urkunde, in der er den Bürgern von Radstadt ("Cives in Rastatt") alle städtischen Rechte, Privilegien und Freiheiten verlieh, die auch die Stadt Salzburg und andere Städte des Erzstiftes innehatten, und befreite sie für zehn Jahre von allen Steuern und Abgaben mit Ausnahme der zur Befestigung und Bewachung der Stadt notwendigen Leistungen. Dieses Dokument beinhaltet also das Stadtrecht für Radstadt und war Anlass der Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres 1989. Die Briefmarke oberhalb zeigt eine stilisierte Ansicht von Radstadt und das Stadtwappen.
Die Gegend um Radstadt wurde im 4. Jhdt. v. Chr. von den Kelten besiedelt. Anschließend erfolgte die Besitznahme durch die Römer, wobei die wichtige Römerstrasse von Aquileia über den Radstädter Tauern nach Juvavum (Stadt Salzburg) führte. Mit der bayrischen Besiedelung im 7. Jhdt. n. Chr. beginnt die eigentliche Geschichte der "alten Stadt im Gebirge". Die Namensgebung, ob slawischen oder germanischen Ursprungs, ist bis heute nicht geklärt - RASTAT (1074), RADESTAT (1092), RASTAT (1139).
Im 13. Jhdt. wurde die gesamte Terrasse befestigt und Radstadt erhielt unter Erzbischof RUDOLF VON HOHENEGG am 27. Juli 1289 das Stadtrecht - die einzige Stadt des Erzbistums Salzburg im Gebirge. Der Ort wurde wegen seiner strategischen Bedeutung an der Grenze zu Österreich mit vielen Privilegien und Freiheiten ausgestattet. Seine erste Bewährungsprobe musste die Stadt 1306 im Streit mit Herzog Albrecht von Österreich ablegen. Aus dieser Zeit stammt auch das Stadtwappen. Langsam wurden Gerichts-, Markt- und Stapelrecht von der Muttersiedlung Altenmarkt auf Radstadt übertragen. Durch die vielen Großbrände (1365, 1417, 1616, 1781, 1855 und 1865) wurde die Stadt vieler historischer Bauwerke beraubt, von denen heute nur noch der SCHUSTERTURM (eine spätgotische Lichtsäule aus 1513) im Friedhof zeugt.
Die bedeutendste Epoche Radstadts war der Bauernkrieg 1525/1526. 5000 Bauern sammelten sich unter der Führung von MICHL GAISMAIR, doch der Ort hielt der Belagerung stand und erhielt für seine Treue 1527 von Erzbischof MATTHÄUS LANG den großen Freiheitsbrief und den Titel "ALLZEIT GETREU". Auf diesen Freiheitsbrief gründet sich noch heute die priviligierte, uniformierte Bürgergarde der Stadt.
1621 wurde in der ehemaligen PFLEGBURG ein Benediktiner - Gymnasium errichtet. 1628 übernahm der Kapuzinerorden die Burg als Kloster bis zu seiner Auflösung im Jahre 1978. 1731/32 mussten wegen des Emigrationsediktes Erzbischof Firmians über 3000 Menschen aus dem Bezirk Radstadt auswandern, wobei viele in Ostpreußen eine neue Heimat fanden.
In der ersten Hälfte des 19. Jhdt. wechselten österreichische, bayrische und französische Besetzung einander ab, erst 1861 wurde Salzburg österreichisches Kronland. 1875 brachte der Bau der Bahnlinie Bischofshofen - Selzthal neuen wirtschaftlichen Aufschwung. 1938 kam es schließlich zum Zusammenschluss der beiden Gemeinden Radstadt-Stadt und Radstadt-Land.
Um das überkommene Erbe zu bewahren, erhielt Radstadt als erste Gemeinde des Landes ein Ortsbildschutzgesetz.
PAUL HOFHAYMER, ein berühmter Sohn Radstadts
"Ein Künstler, als der Hofhaymer auf der Orgel oder der Dürer von Nürnberg auf der Malerei." Der das schrieb, hieß Teophrastus Paracelsus. Wer mit Dürer in einem Atem genannt wurde, und dies
vom weltberühmten Arzt Paracelsus, musste wirklich auf der Höhe seiner Zeit stehen.
Paul Hofhaymer (geb. am 25. Januar 1459), war als Orgel- und Lautenspieler, als Komponist und Dirigent, als Erfinder des Regales und als Hofmann des Kaiser Maximilian berühmt. Er kam aus dem kleinen Radstadt, wo er als Sohn des Lötschenmeisters in die Schule der Radstädter Stadtsinger und Organisten ging.
Seine weitere Ausbildung erhielt er in Innsbruck am Hof des "verschwenderischen Sigismund". Von hier kam er zu Kaiser Max, mit dem er "wye eyn zigeyner" dreißig Jahre herumreisen musste. Dabei stieg sein Ruhm ständig.
1515 wurde er für eine herrliche Aufführung seines TEDEUMS im Stephansdom zu Wien zum Ritter geschlagen. Dürer hat sein Bildnis gezeichnet und - im Rahmen des Triumphzuges des Kaisers Max - auch in Kupfer gestochen. Sein Spiel auf der Orgel wird als von großer Wucht und Harmonie gerühmt, aber auch für schlichte Volkslieder fand er die rechte musikalische Sprache. Paul Hofhaymer verstarb 1537.
GEOGRAPHIE UND VERKEHRSLAGE
Radstadt (856 m) liegt auf einer Felsterrasse im oberen Ennstal, umgeben von den beiden Gebirgsgruppen Dachstein im Norden und Radstädter Tauern im Süden.
Die kleine, 700 Jahre alte Stadt mit Ihren knapp 5.000 Einwohnern ist nur 70 km von der Festspielstadt Salzburg entfernt und kann über die Tauernautobahn bzw. per Schnellzug bequem erreicht werden.
Nächster Flughafen Salzburg.
PFLANZEN- UND TIERWELT
Höhenlage, Bodenverhältnisse und Klima begünstigen in Radstadts Umgebung den Fichtenwald. Daneben kommen aber auch Buchen, Föhren , Lärchen und Bergahorn in mehr oder minder größeren Beständen vor. Vereinzelt gibt es in der Stadt auch Zirben, die sich sonst in größerer Zahl am Labeneck finden. Sehr schöne alte Bäume (Ahorn, Kastanie, Föhre, Lärche, Zirbe) stehen vor der nördlichen Stadtmauer. Die Eiche tritt erst unterhalb von Schladming auf, Entwässerung, Flussverbauung und Rodung haben die einst ausgedehnten Moore und Erlendickichte stark zurückgedrängt. Heute nehmen Wiesen den Talboden ein. Der Ackerbau spielt kaum mehr eine Rolle. Nur zwei Flurnamen weisen auf früheren Gersten- und Flachsanbau hin. Ein größeres Moor hat sich noch bei Mandling erhalten. Der Torfstich verminderte den Bestand an Blütenpflanzen. Gelegentlich ist da und dort noch Schilf vorhanden.
In dem vor der Bändigung der Enns ausgedehnten Sumpfland ließen sich früher manche Durchzugsgäste wie Kranich, Storch oder Purpurreiher nieder. Eine Reihergestalt in einem Brunnen beim Heimatmuseum erinnert daran. Mit dem Zurückdrängen der ehemaligen Bruchwälder und dem Ausdehnen des Kulturlandes nahmen Bussard, Saatkrähe und Elster zu. Neu eingewandert ist die Bisamratte, die erst 1925 durch das Oichental nach Salzburg kam. 1963 wurde in Altenmarkt ein Wildschwein erlegt. In den Wäldern gibt es Hirschwild und Rehe, noch höher sind Gemsen anzutreffen. Auch im Mandlingkalkzug, z. B. im Zaimwald, gibt es Gemsen. An der Waldgrenze balzen Auer- und Birkhähne. Im Frühling vernimmt man den Kuckuck und der Specht klopft an den Bäumen. Hausnamen künden davon, das es früher auch Bären und Wölfe in dieser Region gab.
KULTURELLES RADSTADT
Kulturpflege hat in Radstadt eine lange Tradition. Heute sind vor allem Künstler und verschiedene Vereine, in denen die interessierten Radstädter tätig sind, Kulturträger von Radstadt.
Die Bürgergarde, vor mehr als 700 Jahren zur Verteidigung der Stadt gegründet, verschönt heute mit ihrer schmucken Uniform weltliche und kirchliche Feiern. Weitum bekannt ist das Gardefest, welches alljährlich am ersten Wochenende im August stattfindet. Die Stadtkapelle Radstadt, eng mit der Bürgergarde zusammen- wirkend, umrahmt so manche Feier und fast jedes Begräbnis mit Blasmusik. Der Brauchtumspflege hat sich der Heimatverein, die "Goasstoana", verschrieben. Darüber hinaus widmet sich der Heimatverein auch der Trachtenpflege.
In Radstadt ist noch altes Brauchtum lebendig. Das Maibaumauf- stellen am 1. Mai gehört ebenso dazu, wie das Erntedankfest im Oktober, wo nach der heiligen Messe die Erntedankkrone in feierlicher Prozession durch die Stadt getragen wird. Weitere kulturelle Attraktionen Radstadts sind die Heimatmuseen im Schloß Lerchen und im Kapuzinerturm, alle 2 Jahre der Almabtrieb in der 2. Septemberhälfte und das Krampuslaufen Anfang Dezember. Der Kulturkreis "Das Zentrum" unterstreicht mit zahlreichen Events von hohem Niveau die Stellung Radstadts als kulturelles Zentrum der Salzburger Sportwelt Amadé, wobei das 1989 seiner Bestimmung übergebene "Zeughaus am Turm" im ehemaligen Teichturm den idealen Rahmen bietet.





















